Modesünden – damals und heute

Landsknechte

In einer Beschreibung hutterischen Gemeindelebens aus dem Jahr 1570 fand ich eine interessante Bemerkung. Indem sie alle Gewerbe, Handwerke und das geistliche Leben beschrieben, erwähnten sie auch: „Da macht man nicht mehr zerhauene, zerschnittene, stolze oder unmäßige Kleider; das Alles war abgestellt.“ (Chronik der Hutterischen Brüder, S 333). Da dachte ich an die „Modesünden“ unserer Tage. Es gibt eben nichts Neues unter der Sonne.

Neu ist lediglich, dass vielen Christen heute fremd ist, sich darüber Gedanken zu machen. Versetzen wir uns aber kurz in die Zeit von damals zurück. Was müssen wir uns unter den „zerhauenen, zerschnittenen, stolzen und unmäßigen Kleidern“ vorstellen? In der Renaissance änderte sich die Mode dramatisch, besonders die Männermode möchte ich hervorheben.

Military Look

„Die Kleidung von einem Landsknecht war das Vorbild einer Männerbekleidung in der Renaissance.“[1]

Landsknechte, Söldner waren allgegenwärtig, gefürchtet und bewundert zugleich. Berufssoldaten, die für Geld kämpften und ihre Kriegsherren auch beliebig wechselten. Blieb der Sold aus, plünderten sie. Verwegene Haudegen, deren Kleidung die Mode prägte. Wahrscheinlich kam es von Schwerthieben aus den Schlachten, dass ihre Kleidung „zerhauen“ aussah, was schließlich zur Militärmode wurde, wie wir sie noch heute bei der Schweizer Garde im Vatikan sehen können. Um etwas von dem „Charisma“ dieser Krieger auf sich übergehen zu lassen, spielte die Männermode damit, diese Schnitte gekonnt und farbenfroh in Szene zu setzen.

„Das viereckig geschnittene Wams wurde im Brustbereich mit einem Schlitz ausgestattet. Weitere Schlitze befanden sich am Rücken sowie an den Ärmeln (am Ellbogen und am Oberarm). Die Schlitze hatten sowohl eine dekorative Rolle als auch machten die Kleidung bequemer, da sie nicht so eng am Körper lag. Durch die Brustschlitze am Wams schaute ein Hemd hervor, das hauptsächlich aus Leinen gefertigt wurde. … Auch die zu dieser Zeit populären Oberschenkelhosen wurden mit Schlitzen ausgestattet. Die Hosen wurden jedoch mit einem bunten Seidenstoff gefüttert, so dass man die nackten Beine durch die Schlitze nicht sah.“[2]

Wie vielfältig die Landsknechtmode sein konnte, und doch eindeutig als Landsknechtmode erkennbar, zeigt diese Seite: Skaliger – Landsknecht. Es hatte aber auch finanzielle Gründe, warum die Landsknechtsmode damals ausuferte: Es fehlte am Geld für einheitliche Uniformen:

„Die Individualität in der Bekleidung gehörte ebenso zum Selbstverständnis des freien Kriegsmannes im 15. und 16. Jahrhundert. Dagegen konnten die Kriegsherren nichts unternehmen, da für eine Uniformierung die Geldmittel fehlten und die „zerhauene“ Kleidung der Landsknechte deren Gewohnheitsrecht war.“[3]

Man könnte den Einfluss der Landsknechtskleidung auf die Mode heute damit vergleichen, wie etwa mit Camouflage-Mustern militärische Inspirationen in die Alltagsmode übernommen werden. Als ich ein Teenager war, waren die Nato-Jacken besonders beliebt, später dann die Stoffe mit jenen Tarnmustern. Die Frage, die sich uns als Christen stellen muss, lautet natürlich: Wollen wir so ausschauen? Wollen wir, die wir uns der Friedfertigkeit um Jesu Willen verschrieben haben, uns kleiden wie Soldaten? Auch nur andeutungsweise?

Auch das bekannten die Hutterischen Brüder in aller Klarheit in ihrer Selbstbeschreibung:

„Es wurden die Schwert und Spieß zu Rebmessern, Sageisen und andern nutzlichen Gebrauch verschmiedet und angewendet. Da war kein Büchsen, Prächsen, Helleparten, noch einig Waffen, so zur Wehr gemacht ist, nimmer verhanden, durchaus einer des andern Bruder und ganz ein friedsams Volk, das zu keim Krieg oder Bluthandel nindert half mit Steuer, viel weniger mit Handanlegen, kein Rach brauchet; Geduld war ihr Gewehr für allen Streit.“ (S 332).

Also muss sich unsere innere und auch praktische friedliche Haltung ebenso darin zeigen, dass unsere Kleidung nicht der Verherrlichung militärischer Gewalt und Ruhmes folgt. Ebenso, wie daher damals die „zerhauenen Kleider“ des Landsknechtstils für Christen unangemessen waren, ist es der Military Look heute.

Stolz und Unmäßigkeit

„Als Überrock hatten die Männer in der Renaissance eine Schaube getragen. Diese war meistens weit, hatte manchmal eine glockige Form, wurde mit einem auf den Rücken fallenden Kragen (z. B. aus Pelz) ausgestattet und wurde besonders bei den Bürgern sowie Gelehrten populär. … Auf dem Kopf hatte der Mann im Renaissance ein Barett, das am Anfang besonders für die gebildete Stände charakteristisch war, in verschiedenen Farben und Formen getragen. Das Barett wurde zusätzlich mit Federn, Medaillen, Fütterungen, Knöpfen und anderen Schmuckstücken verziert.“[4]

Kleidung und Mode eignen sich hervorragend, Standesunterschiede hervorzuheben. Den menschen der Welt ist es offenbar ein großes Anliegen, einander weniger in Tugend und Charakter zu übertrumpfen, als in Stellung und Status, Macht und Reichtum. So signalisierte bereits der Pelzbesatz am Kragen des Bürgers, dass der einfache Bauer weit unter ihm stehe. Das federnbesetzte Barret des Gelehrten beschämte schon rein äußerlich die Unwissenheit des gemeinen Handwerkers. Die Gesellschaft war auch in Stände gegliedert, deren Grenzen fast ebenso unüberwindlich waren wie die Grenzen der Kasten in Indien. Man war an seinen Stand gebunden, lebte, redete, aß, heiratete und kleidete sich stets standesgemäß.

Sogar die Farben, die den einzelnen Ständen erlaubt waren, waren in manchen Herrschaften streng reglementiert. Im Burgund des 15. Jahrhunderts etwa galt jene Regel:

„Zweifarbige Kleidung, sowie die Farbe Rot war lediglich dem Adel vorbehalten.“[5]

Standesunterschiede werden auch heute noch durch die Kleidung zum Ausdruck gebracht, denn auch wenn es die mittelalterlichen Stände so nicht mehr gibt, gibt es immer noch den Status, der zur Schau gestellt wird. Wer zeigen will, dass er dem „Geldadel“ angehört, wird dies durch teure, maßgeschneiderte Anzüge und das entsprechende „distinguierte“ gehabe an den Tag legen. Kleriker tragen nach wie vor ihre besonderen Kleider, die sie als Kleriker vor aller Welt ausweisen; ein Gehabe, dass der Herr Jesus bereits bei den Pharisäern scharf kritisierte:

„Alle ihre Werke tun sie aber, um von den Leuten gesehen zu werden. Sie machen nämlich ihre Gebetsriemen breit und die Säume an ihren Gewändern groß, und sie lieben den obersten Platz bei den Mahlzeiten und die ersten Sitze in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten, und wenn sie von den Leuten »Rabbi, Rabbi« genannt werden.“ (Mat 23,5-7).

Die Frage, die wir uns als Christen stellen müssen, lautet auch hier: Wollen wir so ausschauen? Wollen wir die durch die Mode symbolisierten Standesunterschiede auch in unseren Gemeinden zulassen, die wir einander auf einer Ebene als Brüder und Schwestern begegnen? Und doch geschieht dies immer wieder und geschah von Anfang an, wie Jakobus scharf kritisiert:

„Meine Brüder, verbindet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, [den Herrn] der Herrlichkeit, nicht mit Ansehen der Person! Denn wenn in eure Versammlung[2] ein Mann käme mit goldenen Ringen und in prächtiger Kleidung, es käme aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, und ihr würdet euch nach dem umsehen, der die prächtige Kleidung trägt, und zu ihm sagen: Setze du dich hier auf diesen guten Platz!, zu dem Armen aber würdet ihr sagen: Bleibe du dort stehen, oder setze dich hier an meinen Fußschemel! – würdet ihr da nicht Unterschiede unter euch machen und nach verwerflichen Grundsätzen richten?“ (Jak 2,1-4).

Kleider machen Leute! Kleider signalisieren entweder Gleichheit oder Ungleichheit – wie wir uns kleiden soll keine Ungleichheit zwischen uns Glaubensgeschwistern signalisieren. Denn wir sind alle auf einer Ebene, aus Gnade errettet, durch Jesu Blut gereinigt, der Nachfolge Christi in Niedrigkeit verpflichtet. Darum soll unsere Kleidung schlicht sein, die diesem Stand, der uns vom Herrn Jesus Christus selbst zugewiesen worden ist, widerspruchsfrei Ausdruck verleiht.

Die Chronik der Hutterer bekräftigt, dass es unter ihnen nun keine Armen und Reichen mehr gab – und das darf es unter Christen auch nicht geben, weshalb der Herr die Gemeinschaft der Güter verordnet hat:

„Man hielt christliche Gemeinschaft der Güter, wie Christus gelehrt, gehalten mit seinen Jüngern und die erst apostolisch Kirch auch getan hat; der andern dorft sich keiner herzu tun. Die vorhin arm oder reich gewesen, hätten jetzt einen Säckel, ein Haus und einen Tisch miteinander, doch Gesund wie Gesunde, Kranke wie Kranke, Kinder wie Kinder.“ (S 332).

„In Summa, da war Keiner, der müßig ging, es tat Jedes etwas, was ihm befohlen war, und was es vermocht und konnt, und war er vorhin gewesen edel, reich oder arm. Da lernten auch die Pfaffen arbeiten und werken, welche herzu kamen.“ (S 334).

Diese Gleichheit hob du hebt bis heute alle gesellschaftlichen Standesunterschiede radikal auf – weshalb sich auch niemand mehr so kleiden sollte, als sei er etwas Besseres.

Schamlosigkeit

Ein anderes Detail der damaligen Mode war die Verkleinerung des Hosenlatzes (wie wir ihn noch von der Lederhose her kennen) zu einer sogenannten „Schamkapsel“, die eine sexuelle Provokation darstellen sollte:

„Die Schamkapsel war oft farblich von der Hose abgehoben und ausgepolstert sowie mit Bändern und Schleifen geschmückt. Manchmal enthielt sie auch noch kleine Taschen. Die Form des Polsters variierte je nach Geschmack des Trägers. So gab es runde Polster, aber auch solche in Bananen- oder Gurkenform. Die darin enthaltene sexuelle Anspielung war offensichtlich.“[6]

Es gehört offenbar zum Balzverhalten der Gottlosen, die sich lieber wie Tiere als wie Menschen gebärden, ihre sexuellen Reize in übertriebener Form zur Schau zu stellen um damit das andere Geschlecht anzulocken – hier balzen Männer und Frauen gleicherweise. In der Renaissance waren die Männer aber, wie man sieht, deutlich provokanter als heute, wo es eher umgekehrt ist.

Grundsätzlich galt vor der Renaissance der freie Blick auf den Schritt als unerwünscht, weshalb auch die Männer etwa knielange Tuniken über ihren Hosen (Beinlingen) trugen.

„Die neue Freizügigkeit im Schritt war der Obrigkeit ein Dorn im Auge. Im Zürich des 14. Jahrhunderts wurden die Männer geheissen, mindestens knielange Mäntel und Röcke über ihren Beinlingen zu tragen. In Solothurn verfügte man noch im 15. Jahrhundert, dass man von Männern, welche «kurtze obercleidung» tragen die «ir scham vor und hinden nitt bedeckend», die Röcke gleich an Ort und Stelle einziehen und sie nicht mehr wiedergeben solle.“[7]

Als ich in die Unterstufe des Gymnasiums ging, waren gerade hautenge Jeans in Mode, die aus der Punk-Kultur kamen. Diese waren auch unserer sehr konservativen Frau Klassenvorstand ein Dorn im Auge, was sie die Träger dieser Prachtstücke auch wissen ließ. Damals wie heute ist das Spiel mit sexueller Provokation zu einem Teil unbewusst, weil die meisten ja gedankenlos der Mode ihrer Zeit folgen und damit deren Ideale – in diesem Fall der „sexuellen Freiheit“ – zu einer Massenbewegung werden lassen. Heute sind hautenge Leggings vor allem die Leidenschaft der Frauen, die solche tragen – könnten sie sich von hinten sehen, würden sie jedoch wohl schamrot im Boden versinken. Die Männermode der Renaissance zeigt aber, dass dieses Balzen keineswegs ein reines Frauenproblem ist, sondern Ausdruck des insgesamt gestörten Verhältnisses der durch die Sünde gefallenen Menschen zu ihren Körpern und zur Sexualität ist.

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Täuferische Kleidung trug dem von Beginn an Rechnung, besonders bei den Schweizer Brüdern und allen, die aus ihnen hervorgegangen sind (Hutterer, Amische und Z´Teile der Mennoniten), wie aus den wenigen Abbildungen jener Zeit ersichtlich ist. Bis heute legen die Nachfahren der Täufer – obwohl sich der Kleidungsstil mit der Zeit natürlich änderte, Wert auf sittsame und schlichte Kleidung, die mit dem Glaubensbekenntnis übereinstimmt. Denn auch hier müssen wir uns als Christen fragen: Wollen wir so ausschauen? Wir, die wir vor der Unzucht fliehen sollen, uns um Reinheit bemühen und nicht wie die Nationen in der Leidenschaft der Begierden um die Ehefreu freien (1.Thess 4,3-4), können uns doch nicht so kleiden, dass die Aufmerksamkeit derer, die uns sehen zwangsläufig und unwillkürlich (so ist es nämlich) auf die primären Geschlechtsmerkmale gelenkt werden. Wir vermeiden deshalb jeden sexuellen Blickfang – und hier ist ein Bereich, wo jeder Christ lernen muss, die Schönheitsideale dieser Welt abzulegen und das schön zu finden, was Gott schön nennt.

Nicht einmal genannt werden sollen die Anzüglichkeiten unter uns:

„Unzucht aber und alle Unreinheit oder Habsucht soll nicht einmal bei euch erwähnt werden, wie es Heiligen geziemt; auch nicht Schändlichkeit und albernes Geschwätz oder Witzeleien, die sich nicht gehören, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger (der ein Götzendiener ist), ein Erbteil hat im Reich des Christus und Gottes.“ (Eph 5,3-5).

In der Chronik heißt es, dass auch die „Hurenlieder“ der Welt nicht mehr gesungen wurden, die damals offenbar in aller Munde waren (ähnlich der Hitparade heute):

„Da war kein Gesang der schändlichen Hurenlieder, des die Welt voll ist, sonder christliche und geistliche, auch biblische Geschichtelieder.“ (S 333).

Wenn man aber weder davon singt noch redet, soll man sich auch nicht so kleiden, als stimme man der sexualisierten Mode um uns noch zu oder fände Gefallen daran.

Zusammengefasst

So sind es also drei Aspekte der Mode, die wir zu meiden haben:

  • Die Verherrlichung und Bejahung des Krieges
  • Die Verherrlichung und Bejahung des Reichtums und der Standesunterschiede
  • Die Verherrlichung und Bejahung der Unzucht

Wenn wir uns davon enthalten, tun wir wohl.

 

[1] http://mode-der-renaissance.de/maennerkleidung

[2] Ebda.

[3] http://geschichte.fromme-rotten.de/kleidung

[4] http://mode-der-renaissance.de/maennerkleidung

[5] http://www.gentleman-blog.de/2010/11/03/geschichte-der-mode-4-renaissance/

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Schamkapsel

[7] https://www.srf.ch/sendungen/schweiz-aktuell/scham-und-schamlosigkeit

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