Schaut auf Ihn (Heb 12,1-3)

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Nach mehreren Beiträgen über den Ernst der Buße und die Herausforderungen der Nachfolge, liegt, ja brennt es mir am Herzen, den Blick nun weg von den Strapazen und Anforderungen auf den zu richten, der uns darauf vorangegangen ist. Schauen wir nur auf uns und die Schwierigkeiten, würden wir rasch ermatten und aufgeben.

Nach der Vorstellung vieler glaubwürdiger Zeugen und Helden des Glaubens verweist Paulus im Hebräerbrief deshalb auf unseren Herrn Jesus. Diesen kurzen Text möchte ich nun im Detail betrachten:

„Da wir nun eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, so lasst uns jede Last ablegen und die Sünde, die uns so leicht umstrickt, und lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat. Achtet doch auf ihn, der solchen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht müde werdet und den Mut verliert!“ (Heb 12,1-3)

Lasst uns ablegen

Weil es andere uns bereits vorgemacht haben, nämlich jene Wolke an Zeugen, sollen wir uns anspornen lassen, auch selbst alles abzulegen, was uns am Erreichen des Ziels unseres Glaubens behindert. Sünde ist nicht nur Gift für unsere Beziehung mit Gott; Sünde verhindert nicht nur effektiv Gebetserhörungen; Sünde umstrickt uns, bindet und behindert uns. Sie ist eine Last. „Warum?“ fragst du vielleicht? Denken wir nach. Wenn du die Welt liebst, wird Sünde dir Spaß machen, oder du wirst zumindest wenig dabei finden, da das ja alle machen. Du passt gut zu deiner weltlichen Umgebung, und dein Gewissen wird nicht extrem ausschlagen. Eigentlich ist das ein Alarmsignal, dass du auf dem falschen Weg bist, wenn Sünde dich nicht im Gewissen belastet.

Nehmen wir deshalb an, dass wir Gott von Herzen lieben. Dann wird Sünde uns sehr wohl belasten, wir leiden und seufzen in unserem Gewissen. Wir verlieren unsere Freude und unsere Freimütigkeit, anderen vom Glauben zu erzählen, bis – durch aufrichtige Umkehr – die Sünde vergeben und der Schaden behoben ist. Wiederholte Sünden, die uns zur Gewohnheit geworden sind, belasten uns noch mehr, weil wir vielleicht die Hoffnung aufgegeben haben, da je raus zu kommen, sodass wir im Kreislauf von Sünde und Vergebung, Sünde und Vergebung gefangen scheinen. Es ist eine schwere Last auf unserem Herzen.

Paulus sagt: „Leg diese Last ab, sonst kommst du nicht ans Ziel!“ Sünde ist nichts, womit wir uns abfinden dürfen. „Aber wie?“ fragst du vielleicht. Möglicherweise mit einem schweren Herzen und traurigem Blick. Dazu gibt es mehrere Antworten, von denen ich in diesem Artikel nur die letzte behandeln will. Der Vollständigkeit halber will ich ein paar andere aber zumindest erwähnt haben:

  • „Wenn dir aber dein rechtes Auge ein Anstoß zur Sünde wird, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verlorengeht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“ (Mat 5,29). Das ist zwar bildlich gemeint, ist aber dennoch konkret: Wenn du etwa ständig im Internet auf unreinen Seiten landest, weil du mit dem Internet nicht umgehen kannst, wirf den Computer in hohen Bogen hinaus! Oder installiere einen Safer-Surfing Filter. Oder drehe den Bildschirm so, dass jeder, der dein Zimmer betritt, sieht, was du gerade machst. Zugegeben, das sind sehr banale, aber praktische und wirksame Hilfen. Sei praktisch in deinem Kampf gegen die Sünde! Sei einfach und direkt!
  • „Da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zum Wandel in Gottesfurcht dient, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend, durch welche er uns die überaus großen und kostbaren Verheißungen gegeben hat, damit ihr durch dieselben göttlicher Natur teilhaftig werdet, nachdem ihr dem Verderben entflohen seid, das durch die Begierde in der Welt herrscht, so setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar (und infolge dessen: Erkenntnis, Selbstbeherrschung, standhaftes Ausharren, Gottesfurcht, Bruderliebe und Liebe).“ Wir haben einerseits eine neue Natur erhalten, wir sind Teilhaber der göttlichen Natur, das heißt derselben Natur, die unser Herr Jesus auch hatte! Heißt das nun, dass alles von selbst geht? Nein, denn auch der Sohn Gottes musste darum ringen, der Sünde zu widerstehen, was Er auch vollkommen tat. Bist du dir bewusst, dass du grundsätzlich dieselben Voraussetzungen hast, die Sünde zu überwinden? Woran scheitert es dann? Möglicherweise daran, dass du nicht allen Eifer, allen Fleiß daran gesetzt hast. Wie lebst du die Heiligung und Nachfolge Jesu? Lebst du ins Blaue hinein, lässt du den Alltag dahinplätschern, oder jagst du dem Ziel mit Ausdauer und Entschlossenheit nach?
  • Indem wir hinschauen auf Jesus“, empfiehlt Paulus. Ich habe mir jüngst eine Irish-Bouzouki gekauft (ein Musikinstrument), jetzt schaue ich mir YouTube Videos von Bouzouki-Spielern an, um von ihnen zu lernen. Welche Tipps geben sie? Welche Fehler in der Handhaltung kann ich vermeiden? Wie ist ihr Fingersatz? Ich mache es dann nach – holprig, aber doch – und werde, wenn ich allen Eifer daran setze, auch bald so gut spielen können. Das Hinschauen auf Jesus ist zentral. Lernen wir vom Meister!

Jesus, der Anfänger und Vollender des Glaubens

Es ist gut, jemanden als Vorbild zu nehmen, der es geschafft hat. Die Vorbilder des Alten Testaments sind immer unvollständig, denn sie waren oft nur in einer Sache besonders glaubensstark, in anderen aber nicht. Gott hebt hervor, was sie gut gemacht haben, weil sie Ihm glaubten. Das ist der Sinn der Verheißung: „Siehe, der Vermessene – unaufrichtig ist seine Seele in ihm; der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.“ (Hab 2,4). Gerecht ist ganz offensichtlich nicht fehlerfrei, sondern mit der rechten Gesinnung, aus der heraus ein möglichst gerechtes Leben im Glauben geführt wird. Darauf achtet Gott, weshalb uns der Glaube rettet und nicht unsere Perfektion in allem. Der Glaube strebt allerdings nach dieser Perfektion – wir wollen und sollen immer besser werden.

Dabei schauen wir nun auf ein vollkommenes Vorbild, unseren Herrn Jesus: „Denn dazu seid ihr berufen, weil auch Christus für uns gelitten und uns ein Vorbild hinterlassen hat, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt. Er hat keine Sünde getan, es ist auch kein Betrug in seinem Mund gefunden worden.“ (1.Petr 2,21-22)

Er ist der Anfänger des Glaubens. Was heißt das? Das griechische Wort archegos kommt noch in Heb 2,10 vor, sowie in Apg 3,15 und Apg 5,31. Es ist wichtig, zu verstehen, was gemeint ist- und was nicht gemeint ist. Viele Christen legen das Wort so aus, als habe Christus den Glauben in uns begonnen und würde ihn auch vollenden – alles mache Er, wir hätten keine Mitverantwortung (Monergismus). Darum bitte ich um etwas Geduld bei der Worterklärung:

  • „Den Fürsten des Lebens aber habt ihr getötet! Ihn hat Gott aus den Toten auferweckt; dafür sind wir Zeugen.“ (Apg 3,15)
  • „Diesen hat Gott zum Fürsten und Retter zu seiner Rechten erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu gewähren.“ (Apg 5,31)
  • „Denn es war dem angemessen, um dessentwillen alles ist und durch den alles ist, da er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, den Urheber ihres Heils durch Leiden zu vollenden.“ (Heb 2,10)

Im letzten Vers habe ich das „führte“ auch fett gemacht, da archegos sich vom Wort für  führen (ago) herleitet. Die King James Bible übersetzt daher statt „Urheber ihres Heils“ „captain of their salvation“. Im deutschen Wort „Fürst“ werden wir an das englische „first“ erinnert; die englische Übersetzung von Fürst ist Prince, was vom lateinischen princeps kommt, was wieder „Erster“ bedeutet (wie first).

Wie man es dreht, die beste Entsprechung für archegos scheint mir ein Begriff wie „Anführer“ zu sein, einer der vorangegangen ist. In der Militärgeschichte hing der Erfolg in der Schlacht oft davon ab, dass die Offiziere vorangingen. Unter äußerster Lebensgefahr setzten sie so ein Beispiel für die Soldaten, die ihnen folgten. Archegos hat durchaus mit Autorität und Befehlsgewalt zu tun, aber eben auch mit diesem entschlossenen und mutigen Vorangehen.

Siehst du Jesus so vor dir? Spornen dich Seine Entschlossenheit und Sein Mut an? Wir sind berufen, in Seine Fußstapfen zu treten, hat Petrus geschrieben. Er ist vorangegangen, wir betreten kein unsicheres und unklares Terrain, sondern beschreiten einen bereits von unserem „Heerführer“ gebahnten Weg! Man kann das mit der Bundeslade vergleichen:

„Und Josua sprach: Daran sollt ihr erkennen, dass der lebendige Gott in eurer Mitte ist. … Siehe, die Bundeslade des Herrn der ganzen Erde wird vor euch her über den Jordan gehen.“ (Jos 3,10-11)

Es ist absurd, einen Hochwasser führenden Strom durchschreiten zu wollen. So etwas überlebt man nicht, aber die Priester trugen die Bundelade voran, und das Wasser verlief sich, weil es bis zur Stadt Adam sich staute. Dieses Wunder ist ein Bild dafür, was unser Herr Jesus für uns tat, der für uns in den Tod vorausging, um diesen zu überwinden. Er hat alles getan, damit wir sicher über den Jordan (unseren Tod) ins gelobte Land kommen können. Die Bundeslade ging auch bei der Belagerung Jerichos voran und spielte noch in anderen Fällen eine entscheidende Rolle.

Verstehen wir das? Unser Herr Jesus ist vorangegangen und hat den entscheidenden Sieg bereits errungen. Unser Ruf ist es, Ihm auf diesem Weg zu folgen. Davon sind wir nicht entbunden.

Er ist der Vollender des Glaubens. Was ist damit gemeint? Ein „Teleiotes“ ist jemand, der etwas fertig macht, ans Ziel oder zur Vollendung bringt. Was hat der Herr Jesus ans Ziel gebracht oder vollendet oder fertig gemacht? Den Glauben, den Er uns als Anführer zur Nachfolge vorgelebt hat. Er ist also nicht wie der törichte Baumeister in Seinem Gleichnis: „Denn wer von euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet die Kosten, ob er die Mittel hat zur gänzlichen Ausführung, damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und es nicht vollenden kann, alle, die es sehen, über ihn zu spotten beginnen und sagen: Dieser Mensch fing an zu bauen und konnte es nicht vollenden!“ (Luk 14,28-30)

Was bedeutet das für uns? Wir folgen keinem Träumer oder Spinner, sondern jemanden, der bereits ans Ziel gekommen ist, der es wirklich geschafft hat. Das gibt Zuversicht und räumt alle Zweifel aus. Vielleicht meinst du, dass manche Gebote des Herrn (Feindesliebe etwa) weltfremd sind, oder andere (Selbstverleugnung) zu schwierig sind, oder andere (alles verlassen, auch die eigene Familie) zu hart sind. Unser Herr Jesus liebte die Feinde bis zu Seinem eigenen Tod. Er hat sich Seiner Gottheit entäußert und wurde ganz Mensch – niemand hat sich selbst so verleugnet wie Er! Und Er ließ Seiner eigenen Mutter ausrichten, wer jetzt wirklich Seine engste Familie sei (die, welche Gottes Wort hören und tun). Er hat es durchgezogen und Er hat gesiegt.

Wenn man die Wolke der Gläubigen, der Zeugen und Märtyrer davor ansieht, so heißt es über sie: „Und diese alle, obgleich sie durch den Glauben ein gutes Zeugnis empfingen, haben das Verheißene nicht erlangt, weil Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollendet würden.“ (Heb 11,39-40)

Dieses „vollendet“ ist das Zeitwort zu Teleiotes (teleio). Das ist auffällig. Die Alten hatten einen lobenswerten Glauben, werden aber nicht ohne uns vollendet, ans Ziel gebracht bzw. vollkommen gemacht. Es ist nur einer, der es bereits geschafft hat: „Jesus, der Anführer und Vollender des Glaubens.“ Wir alle kommen von uns aus nur bis zum Jordan. Niemand kann ihn durchschreiten, wenn nicht zuvor die Bundeslade durchgegangen ist. Aber seit die Bundeslade den Jordan trocken legte, setzt das Volk, einer nach dem anderen über. Und obwohl die eigentliche Vollendung erst in der gemeinsamen Auferstehung geschieht, so sind die vollendeten Gerechten doch schon im Geist am Berg Zion, und auch wir mit ihnen, wenn wir im Geist und in der Wahrheit anbeten:

„Ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln, zu der Festversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten, und zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes.“ (Heb 12,22-24)

Was lernen wir daraus? Wir sind völlig auf den Herrn Jesus angewiesen, der den Weg bis zur Vollendung gebahnt hat. Wir wissen mit absoluter Gewissheit, dass Sein Weg zum Ziel, zur Vollendung führt. Darum legen wir alle Last ab und laufen mit Ausdauer.

Die vor Ihm liegende Freude ließ Ihn das Kreuz erdulden

Unser Herr Jesus ließ sich vom Kreuz nicht die Freude rauben. Er wusste, dass es weh tun würde, mehr als wir es uns vorstellen können. Die Leiden sind aber auch nicht mehr als was Menschen anderen Menschen allgemein und immer wieder antun. Ohne das kleinreden zu wollen, aber jeder Schmerz und jedes Leid hat eine Grenze: Den leiblichen Tod. Doch unser Herr Jesus wusste auch, dass der leibliche Tod selbst keine unüberwindbare Grenze ist. Schon vorher erweckte Er selbst Tote zum Leben und sagte: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das?“ (Joh 11,25-26)

Die letzte Frage ist wichtig: Glaubst du das? Ohne diesen Glauben ist das Kreuz nur etwas, vor dem man so schnell wie möglich fliehen wollte. Wer es aber glaubt, der begrüßt das Kreuz als einen Weg zum wahren Leben. Der Herr gibt dem Kreuz einerseits einen bildlichen Sinn, nämlich die Selbstverleugnung, andererseits einen sehr buchstäblichen, nämlich unser eigenes Martyrium. Begrüßt du dieses Kreuz? Selbstverleugnung ist ja nichts, was wir von Natur aus erstreben, aber wenn wir überzeugt sind, dass wir dadurch etwas weit Besseres bekommen, werden wir dieses Kreuz mit Freude aufnehmen, nämlich mit der Vorfreude auf das, was danach kommt, auch wenn das Kreuz selbst immer und teils extrem schmerzhaft ist.

Was ist nun die Freude nach dem Kreuz? Die Auferstehung und das ewige Leben, doch das ist keineswegs so blass, wie viele es sich vorstellen. Der Herr gibt uns leuchtende Bilder, die unsere Vorstellungskraft anregen und zugleich sprengen. Ich würfele ein paar Stellen durcheinander – die Bibel ist voll von Verheißungen:

  • „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr. Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offb 21,1-4)
  • „Und er zeigte mir einen reinen Strom vom Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der ausging vom Thron Gottes und des Lammes. In der Mitte zwischen ihrer Straße und dem Strom, von dieser und von jener Seite aus, war der Baum des Lebens, der zwölfmal Früchte trägt und jeden Monat seine Frucht gibt, jeweils eine; und die Blätter des Baumes dienen zur Heilung der Völker. Und es wird keinen Fluch mehr geben; und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein, und seine Knechte werden ihm dienen; und sie werden sein Angesicht sehen, und sein Name wird auf ihren Stirnen sein. Und es wird dort keine Nacht mehr geben, und sie bedürfen nicht eines Leuchters, noch des Lichtes der Sonne, denn Gott, der Herr, erleuchtet sie; und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (Offb 22,1-5)
  • „Da wird der Wolf bei dem Lämmlein wohnen und der Leopard sich bei dem Böcklein niederlegen. Das Kalb, der junge Löwe und das Mastvieh werden beieinander sein, und ein kleiner Knabe wird sie treiben. Die Kuh und die Bärin werden miteinander weiden und ihre Jungen zusammen lagern, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Der Säugling wird spielen am Schlupfloch der Natter, und der Entwöhnte seine Hand nach der Höhle der Otter ausstrecken. Sie werden nichts Böses tun noch verderbt handeln auf dem ganzen Berg meines Heiligtums; denn die Erde wird erfüllt sein von der Erkenntnis des Herrn, wie die Wasser den Meeresgrund bedecken.“ (Jes 11,6-9)

Paulus schreibt an anderer Stelle, dass sich die ganze Schöpfung, jedes Lebewesen, nach dieser Zukunft sehnt (Röm 8,18-25), und Petrus versichert uns, dass es eine Wiederherstellung aller Dinge geben wird (Apg 3,21). Das ist es, worum es in der christlichen Hoffnung geht. Wie sehr freust du dich darauf? Wie oft denkst du daran? Wie gut bist du mit dieser Hoffnung vertraut? Seit ich mich damit auseinandersetze, hat das Evangelium für mich deutlich an Schönheit und Relevanz gewonnen. Ich weiß jetzt, worauf ich mich freue, und auch warum die Freuden dieser Welt im Vergleich dazu echt blass wirken, sodass ich viel leichter auf ihre Versuchungen (die uns leicht umstrickende Sünde) verzichten kann.

Es ist wahr: Wer weiß, wohin er geht, und wer sich wirklich darauf freut, der wird mit Ausdauer laufen, bist er am Ziel ist.

Die Schande für nichts achten

Das Kreuz war ein extrem schmählicher Tod. Wenn wir den Weg des Kreuzes gehen, wird auch bei uns der Spott nicht ausbleiben. Man wird uns als Verlierer betrachten, wir werden vielleicht auch aktiv verfolgt werden. Na und? All das betrachte ich als Wegweiser, die mir bestätigen, auf dem richtigen Weg zu sein, wie auch der Herr Jesus uns zur Ermutigung und zum Trost sagte:

„Glückselig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, und wenn sie euch ausschließen und schmähen und euren Namen als einen lasterhaften verwerfen um des Menschensohnes willen. Freut euch an jenem Tag und hüpft! Denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht. … Wehe euch, wenn alle Leute gut von euch reden! Denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.“ (Luk 6,22-23.26)

Wenn man uns nicht ernstnimmt und nicht zuhört, brauchen wir das nicht persönlich nehmen. Wir können den Staub von unseren Sandalen schütteln und weitergehen. Unsere Verantwortung ist es, den Weg glaubwürdig zu gehen und Zeugnis zu sein; was die Welt damit tut, ist ihre Sache.

Erhöht zur Rechten Gottes

Weil unser Herr Jesus den Weg in vollster Erniedrigung gegangen ist, wurde Er auch über die Maßen erhöht: „Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,9-11)

Unser Anführer des Glaubens hat die Königskrone errungen! Das bedeutet auch, dass wir einen König haben, vor dem wir unsere Knie beugen. Diese Königswürde war Seine Berufung von Ewigkeit her, doch er musste den Weg ganz gehen, um sie zu erlangen. Dasselbe gilt für uns: Wir sind ebenso berufen mit Ihm zu herrschen! Wirklich? So steht es geschrieben:

„Und hat uns mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen Regionen in Christus Jesus, damit er in den kommenden Weltzeiten den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erweise in Christus Jesus.“ (Eph 2,6-7)

In gewisser Weise (geistlich) sind wir bereits dort, wo Christus ist, und wir sehen an dieser Stelle, dass die Gnade Gottes sich bei weitem nicht damit begnügte, uns unsere Sünden zu vergeben. Sie soll noch in den kommenden Zeitaltern reichlich an uns erwiesen werden! Indem wir Teilhaber an Seiner Herrschaft sein sollen.

Zu Seinen Aposteln sagte Er: „Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen wird, auch auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.“ (Mat 19,28). Doch Anteil an Seiner Herrschaft kann jeder Christ erhalten: „Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast uns für Gott erkauft mit deinem Blut aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen, und hast uns zu Königen und Priestern gemacht für unseren Gott, und wir werden herrschen auf Erden.“ (Offb 5,9-10).

Auch das gehört zu dieser großen und spannenden Vorfreude. Wie wird das sein? Wie auch immer, mein Leben heute ist damit direkt verbunden: „Glaubwürdig ist das Wort: Wenn wir mitgestorben sind, so werden wir auch mitleben; wenn wir standhaft ausharren, so werden wir mitherrschen.“ (2.Tim 2,11-12). Auch für uns gilt: Ohne Kreuz gibt es keine Krone.

Indem wir zur Mitherrschaft über die neue Schöpfung berufen sind, erfüllt sich die erste Berufung an Adam und Eva, die über die alte Schöpfung herrschen sollten (und wir Menschen haben darin gründlich versagt!). Mit Christus zu herrschen, d.h. im Sinne Gottes die Natur zu bebauen, zu bewahren, zu pflegen und zu gestalten ist die ureigenste Berufung des Menschen. Her erfüllt sich unser Menschsein in besonders vollkommener Weise, denn unter anderem auch deshalb sind wir im Bild Gottes geschaffen worden, um Gott in der Schöpfung zu repräsentieren.

Mich begeistern diese Gedanken und Verheißungen und ich frage: „Herr wie lange noch?“ Doch davon abgesehen: Kannst auch du dir vorstellen, dass diese Berufung dich zu einem königlichen Verhalten anspornt, dass du umso leichter die Last der Sünde ablegst?

Den Widerspruch von Sündern ertragen

Widerspruch zu ertragen ist die geringste Form der Verfolgung, aber eine sehr schwierige. Wir müssen über den Glauben nicht endlos diskutieren, denn Gottes Wort wird nicht zur Diskussion gestellt, sondern proklamiert, um befolgt zu werden. Das heißt, wir müssen ein gesundes Selbstbewusstsein als Herolde unseres Königs entwickeln, damit wir uns weder von Menschfurcht noch Menschengefälligkeit leiten lassen.

Dem Evangelium wird widersprochen werden, so wie man auch dem Herrn Jesus widersprochen hat. Warum? Ich denke, unter anderem deshalb, weil er als normaler Mensch unter normalen Menschen lebte. Wenn Er darauf verwies, dass ER eigentlich mehr als ein Mensch sei, gab es heftige Widersprüche, die letztlich zu Seiner Kreuzigung führten, als die Zeit dafür gekommen war: „Jesus antwortete: Wenn ich mich selbst ehre, so ist meine Ehre nichts; mein Vater ist es, der mich ehrt, von dem ihr sagt, er sei euer Gott. Und doch habt ihr ihn nicht erkannt; ich aber kenne ihn. Und wenn ich sagen würde: Ich kenne ihn nicht!, so wäre ich ein Lügner, gleich wie ihr. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, frohlockte, dass er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freute sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht 50 Jahre alt und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich! Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hindurch, und entkam so.“ (Joh 8,54-59)

Das Johannesevangelium ist voll von solch harten Kontroversen. Das gehört dazu. Wir werden ebensowenig verstanden, wie Er: „Kinder, ihr seid aus Gott und habt jene überwunden, weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist. Sie sind aus der Welt; darum reden sie von der Welt, und die Welt hört auf sie. Wir sind aus Gott. Wer Gott erkennt, hört auf uns; wer nicht aus Gott ist, hört nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.“ (1.Joh 4,4-6).

Sie werden uns vor allem vorwerfen, hochmütig zu sein, weil wir meinten „im Besitz der Wahrheit zu sein.“ Tatsächlich ist das aber so, denn wir haben den Sohn Gottes, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, der uns durch Sein Wort auch alles offenbart, was wahr ist. Dafür brauchen wir uns nicht schämen, und wir sollen mit der Wahrheit auch nicht hinter dem Berg halten.

Wer widerspricht? Nur die Sünder widersprechen der Wahrheit, weil sie durch die Wahrheit bloßgestellt werden. Hier eine Bemerkung: Auch in uns regt sich noch die alte Natur, welche sich vor der Wahrheit verbergen will, weil sie von der Sünde nicht lassen mag. Wie gehst du, wie gehe ich mit Kritik und biblischer Zurechtweisung um? Leider gibt es den Widerspruch der Sünder auch in der Gemeinde. Dafür gibt uns Paulus eine wertvolle Handreichung:

  • „Wenn jemand fremde Lehren verbreitet und nicht die gesunden Worte unseres Herrn Jesus Christus annimmt und die Lehre, die der Gottesfurcht entspricht, so ist er aufgeblasen und versteht doch nichts, sondern krankt an Streitfragen und Wortgefechten, woraus Neid, Zwietracht, Lästerung, böse Verdächtigungen entstehen, unnütze Streitgespräche von Menschen, die eine verdorbene Gesinnung haben und der Wahrheit beraubt sind und meinen, die Gottesfurcht sei ein Mittel zur Bereicherung – von solchen halte dich fern!“ (1.Tim 6,3-5)
  • „Denn ein Aufseher muss untadelig sein als ein Haushalter Gottes, nicht eigenmächtig, nicht jähzornig, nicht der Trunkenheit ergeben, nicht gewalttätig, nicht nach schändlichem Gewinn strebend, sondern gastfreundlich, das Gute liebend, besonnen, gerecht, heilig, beherrscht; einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht, damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen.“ (Tit 1,7-9)
  • „Denn es gibt viele widerspenstige und leere Schwätzer und Verführer, besonders die aus der Beschneidung. Denen muß man den Mund stopfen, denn sie bringen ganze Häuser durcheinander mit ihrem ungehörigen Lehren um schändlichen Gewinnes willen. Einer von ihnen, ihr eigener Prophet, hat gesagt: »Die Kreter sind von jeher Lügner, böse Tiere, faule Bäuche!« Dieses Zeugnis ist wahr; aus diesem Grund weise sie streng zurecht, damit sie gesund seien im Glauben und nicht auf jüdische Legenden achten und auf Gebote von Menschen, die sich von der Wahrheit abwenden.“ (Tit 1,10-14)
  • „Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig im Ertragen von Bosheiten; er soll mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisen, ob ihnen Gott nicht noch Buße geben möchte zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder nüchtern werden aus dem Fallstrick des Teufels heraus, von dem sie lebendig gefangen worden sind für seinen Willen.“ (2.Tim 2,24-26)

Gerade die letzte Stelle ermahnt uns zum nötigen Augenmaß und zur Hoffnung, dass doch jeder Sünder – wie heftig er noch widerprechen mag – zur Umkehr finden kann. Die schärferen Worte der ersten Stellen haben mit Irrlehrern zu tun, die eine andere und viel gefährlichere Kategorie sind.

Unser Herr Jesus ertrug den Widerspruch von Sündern, ohne ihn persönlich zu nehmen. Er trauert über jeden, der die Wahrheit von sich weist, wie Er auch über Jerusalem weinte.

Wie hilft uns nun dieser Aspekt des Vorbildes Jesu, unsere Sündenlast abzulegen oder nicht umstrickt zu werden? Widerspruch nicht persönlich zu nehmen, befreit von fleischlichen Reaktionen. Es befreit von Zorn und Argumentiersucht. Es ist ein Akt der Selbstverleugnung, der großen inneren Frieden bewirkt. Ich weiß, dass mir das auch nicht immer gelingt, denn mein Temperament ist aufbrausend, das ist mein Handicap, an dem ich besonders arbeiten muss. Darum richte ich meinen Blick bewusst auch auf diesen Aspekt des Vorbildes meines Meisters.

Zum Schluss

Das ist deutlich länger geworden, als erwartet, und hätte noch viel länger werden können. Nichts erfreut mich mehr als der Blick auf den Herrn und Sein kommendes Reich. Nichts motiviert mich mehr als das. Wenn es mir gelungen ist, in Dir etwas davon anzufachen, dann sei Gott die Ehre dafür. Was wir wissen, das wollen wir treu tun. Amen.

047Br. Alexander

Ein Gedanke zu “Schaut auf Ihn (Heb 12,1-3)

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